Halli hallo,
Nach einer Woche Weingutarbeit ist nun wieder die Zeit gekommen ein paar Zeilen zu hinterlassen. Erlebt habe ich nicht wirklich viel aber in einer Woche kommt dann trotzdem so einiges zusammen. Vielen lieben Dank an meine Eltern, diese haben mir nämlich ein Weihnachtspaket geschickt. Neben lecker Schokolade und Wurst bin ich nun auch wieder im Besitz meiner geliebten Wanderstiefel und meines hochgelobten Schlafsacks. Nach dieser kleinen aber feinen Einleitung möchte ich nun direkt in den Hauptteil übergehen. Da ich fast nur am Arbeiten war wird dieser sich auch um selbiges Thema drehen.
Arbeiten auf dem Weingut
Eigentlich arbeite ich bzw. fast alle Backpacker hier nicht auf einem Weingut, sondern man arbeitet mal hier und mal dort. Mein vorgesetzter ist ein Einheimischer Maori und ist im Endeffekt auch nur ein kleiner Handlanger. Von den Besitzern des Weinguts bekommt man nicht viel zu sehen. Allerhöchstens einmal ihr pralles Anwesen mit Jachten und Swimmingpools.
Jeden morgen stehe ich 4:30 auf und bereite mir mein Frühstück (Toast mit Salami, Käse, Salat, Tomaten, Paprika und Ketchup + Senf), dass ich dann mit auf Arbeit nehme. Es ist nämlich Selbstversorgung angesagt aber mit meinen deluxe Sandwiches habe ich es noch geschafft jeden neidisch zu machen. Im Anschluss fahre ich ca. 10 Minuten zu einer Tankstelle, wo ich dann von einem Bus abgeholt werde. In diesem befinden sich dann schon die ganzen anderen Sklaven. Nach weiteren 15-20 Minuten befinden wir uns dann gemeinsam auf einem Weingut und müssen uns dort um die Reben kümmern. Kümmern heißt in diesem Zusammenhang, stutzen und eventuell höher hängen. Das Ganze ist reine Sklavenarbeit und total auf Backpacker ausgerichtet. Man bekommt Mindestlohn und die Chefs nehmen keine Rücksicht auf Wetter oder Befindlichkeit. Ich habe wohl noch eine der netteren Firmen erwischt und bin auch ganz zufrieden. Aus Erzählungen von anderen, habe ich erfahren dass sie nur angeschrien und mit Kündigung bedroht werden. Schade eigentlich dass mir sowas nicht passiert, denen hätte ich aber mal ein paar Wörtchen an den Kopf gehämmert. Wie dem auch sei, ich habe es eigentlich ganz gut erwischt. Allerdings kann man von dem Geld gerade so leben und aus diesem Grund werde ich vorerst wieder auf eine Farm ziehen. Dort ist nicht nur die Bezahlung besser sondern auch das Umfeld und die Arbeit.
Das Hostel
Ich wohne hier in einem kleinen sympathischen Hostel, dass sich Lemon Tree nennt. Es ist umgeben von 6 Zitronen Bäumen (daher auch der Name Lemon Tree) und liegt an der Hauptstraße in Bensheim. Als ich hier angekommen bin war ich sehr schockiert, da 90% deutsche in diesem Hostel untergebracht sind. Alles Sklaven der Weinindustrie, die sich hier ihre kleine deutsche Hochburg errichtet haben. Leider sprechen sie auch alle deutsch und darauf habe ich auch keine Lust mehr. Die meisten sind zwischen 18 und 20 und führen sich auf wie im Ferienlager, leider habe ich diese Dimension bereits durchbrochen und sehne mich nach höherem. Auch aus diesem Grund möchte ich Blenheim schnellstens verlassen. Am Wochenende ist das gesamte Hostel (ca. 40 Leute) in eine Bar gegangen und wir hatten viel Spaß. Allerdings habe ich mich recht schnell abgeseilt und mich mit ein paar einheimischen angefreundet. Später war ich dann auch noch auf einer großen Homeparty, zu der ich in der Bar eingeladen war. Dort habe ich mich sehr wohl gefühlt, was wohl auch damit zusammen hing, das kein deutschsprachiger in Sichtweite war!
Nelson
Am Montag hatten wir sehr viel Regen, da ich einen netten Arbeitgeber habe (ich sollte eher hatte sagen, da ich eben gekündigt habe), wurde nur eine Stunde gearbeitet und dann durften wir nach Hause. Um den Tag nicht sinnlos verstreichen zu lassen habe ich in meinem Reiseführer geschaut und festgestellt dass es hier nichts gibt. Die Worte „Man wird es in Blenheim nicht lange aushalten, wenn man nicht Arbeitet oder sich für Wein interessiert“ machten mir auch ein wenig Sorgen. Also haben wir beschlossen uns eine Nachbarstadt anzuschauen. Nelson liegt etwa 120 Kilometer gen Nordwesten und versprach Museen und eine schöne Innenstadt. Wir machten uns auf den Weg und uns erwartete eine kleine und langweilige Stadt. Das Museum war ganz interessant aber kein Vergleich zu denen die ich vorher besucht habe. Auf dem Rückweg hatte ich noch eine Begegnung der anderen Art. Als ich in eine Rechtskurve fuhr sah ich einen aufgelösten älteren Herren der wild mit dem Armen gestikulierte. Als ich anhielt, sah ich auch schon das übel. Neben der Straße ging es relativ steil bergab. Alles war mit hohem Gras bewachsen und nach 10 Metern ging es in Urwald über. Hinter dem Man war jedoch eine Schneise geschlagen die in etwa der breite eines Autos entsprach. Der man erzählte mir das er gesehen hat wie ein Auto ungebremst dort runter gefahren ist, dass jemand eingeklemmt ist und das ich Feuerwehr, Polizei und Rettungswagen holen soll. Daraufhin zückte ich mein Handy aber hatte keinen Empfang und verstand dann auch warum ich Hilfe holen soll. Nach mir ewig vorkommenden Kilometern kam ich zu einem einzelnen Haus. Dort durfte ich nach kurzer Erklärung das Telefon benutzen um Hilfe zu verständigen. Mehr konnte ich auch nicht tun und ich war auch ganz froh, dass ich nicht als erster an der Unfallstelle angekommen bin…
Angeln
Ich gehe nach der Arbeit sehr viel Angeln und habe auch schon einige Fische gefangen. Leider habe ich noch keinen Fotografiert aber das werde ich sicher noch nachholen.
Bilder
Außer die letzten zwei sind alle in oder auf dem Weg nach Nelson entstanden. Eines zeigt auch einen Glasbläser, der in seiner offenen Werkstadt tolle Kunstwerke hergestellt hat. Die letzten beiden Fotos zeigen die allgemeine Umgebung hier. Alles ist voll mit Weinreben, ich glaube damit könnte man locker die ganze Welt versorgen. Mein Chef hat mir gesagt, dass man aus einer Pflanze 3 Flaschen Wein gewinnen kann. Wenn man sich nun mal überlegt, dass ich als einzelner Hansel ca. 2000 Pflanzen bearbeite; d.h. ich helfe am Tag der Erstellung von 6000 Flaschen Wein. Das ganze bringt mich zu dem Schluss „ICH HASSE WEIN!!!!!!!!“ aber er schmeckt ab und an trotzdem ganz gut!
Wie geht es weiter
Ich reise morgen Richtung Süden auf eine Milchfarm. Genauer gesagt geht es nach Balclutha, dass ist fast so Südlich wie es überhaupt geht. Dort möchte ich solange arbeiten bis ich einen IT Job gefunden habe. Ich habe mich bereits für einige beworben, die wollen aber nur ungern Backpacker, da man das Land ja wieder verlässt. Gewiss dem Fall man würde hier bleiben und das dem Arbeitgeber auch mitteilen, hätte man wohl bessere Chancen. Mit diesen Gedanken habe ich mich aber noch nicht befasst, was ich aber sicher tun sollte in nächster Zeit.
- Nelson Denkmal
- Marco, Christian und Christian vor dem Nelson Denkmal
- Nelson vom Nelson Denkmal
- Nelson Kirche
- Marco beim Glassblaeser
- Icke in Nelson
- Ebbe mit Nelson im Hintergrund
- Weingut bei Blenheim
- Weingut bei Blenheim 2



















